Einmal Hölle und zurück

Ich habe die Hölle gesehen.
Aber sie ist nicht unter der Erde, sondern über den Wolken.

Diese Worte habe ich in der Nacht in mein Handy getippt, in der wir auf dem Mount Fuji, dem Fuji san [富士山] übernachten haben.

Es war definitiv die schlimmste Nacht die ich je (abgesehen von dramatischen Ereignissen) erlebt habe. Zusammen mit 248 Japanischen Bettgenossen, bei einer gefühlten Hüttengröße die meiner Berliner Wohnung entspricht, blieb einem die Luft weg, auch wenn man gerade keine Füße in der Nase stecken hatte. So meinem Leidensgenossen ergangen. Auf meiner Seite, wir haben am unteren Ende der U-Förmig angeordneten Schlafsackschneisen geschlafen, waren 3 Kinder verstaut, dessen Füße nur geruchsverlängert bis in meine Nase reichten. [siehe Bild 027]

Bilder wie sonst auch, hinter dem “Read the rest” Link

Nach mehreren Positionswechseln habe ich mich im Eingangsbereich, wo auch das Abendessen serviert wurde nieder gelassen. Erst im sitzen, dann kauernd, bald liegend auf einem Sitzkissen. Die Berghütte war überteuert und überfüllt. Während der Chef hinter der Theke, quasi auf dem hart eingesammelten Geld schnarchte, wachte eine junge, etwas ernüchtert drein blickende Japanerin über die teuren Schokoriegel und Säfte.
Doch die japanische Freundlichkeit ist zäh! Als ich leicht frierend auf meinem Sitzkissen, sowohl dem Schlaf als auch dem Wahnsinn entgegen wiegend versuchte Erholung zu finden, legte sich plötzlich, geräuschlos eine Decke über mich. [Danke!]
Auf der anderen Seite des Raumes lag ein kranker Mann. Daneben hockend seine Frau, die über ihn wachte. Wenn er sich regte beugte sie sich über ihn um zu sehen, ob alles in Ordnung war. Nach einer Weile legte sie ihre Jacke über ihn, um Wärme zu spenden. Am Ende, erschöpft und frierend, holte sie einen zweiten Schlafsack, tauschte ihn gegen ihre Jacke und schlief neben ihm im Sitzen ein. Bis er sich wieder rührte.

Aber der Fuji san war auch schön! Der Aufstieg war hart aber herausfordernd schön. Um 2 Uhr morgens haben wir uns an eine der Wandergruppen angehängt, um pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel anzukommen.
Je höher wir kamen, desto dünner wurde die Luft. Der Wandergruppenrhythmus, 5 Schritte – Pause, hat geholfen sich nicht zu viel zu zumuten.

Am Ende haben wir es geschafft und einen schönen Sonnenaufgang gesehen.

Der Rückweg jedoch, führte geradewegs wieder durch die Hölle!
Ein nicht enden wollender Sand- / Schotterweg, steil Berg ab und in großen Kurven schwang sich Richtung Tal. Nach den ersten 300m wurden die Knie weich und der Frust groß. Ab und zu rutscht ein anderer Wanderer weg und erinnert an einen achtsamen Laufstil. Diverse dieser Laufstile waren zu sehen. Weite Kurven, direkt und schnell laufend, Seitwärtsschritte oder auch das Aufsetzen mit dem Hacken und somit tiefe eintauchen in die Gerölldecke.
Nach dem 34. Schlenker und ca. 2 Stunden lauf-rutschen hatte ich das erste Mal das Gefühl, ich könnte Japaner hassen. Wirklich hassen. . . . Vor allem diejenigen die diesen Rückweg als geeignete Route festgelegt haben. Und fast hätte ich meinen Stab zweckentfremdet. Aber es war einfach keine überschüssige Kraft mehr übrig.
Am Ende war ich froh und glücklich die 6. Station erreicht zu haben und Marcel nach 20 Minuten Wartezeit wieder zu treffen. (wir hatten uns irgendwo vor dem Höllentor verloren)

„Wer den Fuji san besteigt ist weise. Wer es zwei Mal tut ist ein Idiot.“ ~So habe ich es vor der Tour irgendwo aufgeschnappt.
Teil zwei wird aus unserer Erfahrung einstimmig bestätigt.

Rhox


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